LESEPROBE

"Beim Goldschmieden kommt es darauf an, sich Zeit zu nehmen"

Hamburg, 7. September 2016
Janine Arnold (43) ist Schmuckdesignerin und lebt mit ihrem Mann inHamburg.

 

Was machst du gerade?
Ich baue mit meinem Mann unsere Werkstatt aus. Dort geben wir Trauring- und Goldschmiedekurse.

 

Was fasziniert dich am Arbeiten mit Gold?
Ich liebe das Material als solches, seine Beständigkeit und Farbe. Das Goldschmieden steht im Gegensatz zu unserem Zeitgeist, wo alles schnell und gleichzeitig geschehen soll. Das ist bei diesem Handwerk unmöglich. Man braucht viel Geduld, das müssen auch meine Kursteilnehmer lernen. Drei Stunden sägen, zwei feilen, dann löten. Zwischendurch mal eben eine SMS schreiben geht nicht. Das Material braucht die volle Konzentration. Auch ich muss nach zehn Jahren Erfahrung damit leben, dass manchmal etwas nicht auf Anhieb klappt.

 

Was machst du dann?
Ich bin mit der Zeit geduldiger geworden und habe gelernt, mich auf meine Intuition zu verlassen. Ich arbeite mit Feuer und Edelmetallen, das ist wundervoll, sehr sinnlich, fast schon archaisch. Und ich habe die Freude am Experimentieren entdeckt. Für meine Ohrringkollektion „Candybirds“ zum Beispiel kombiniere ich Gold mit günstigen Materialien. Zunächst habe ich Autolacke und Filzstifte ausprobiert, weil ich die Ohrringe mit Farbe kombinieren wollte. Irgendwann kam ich auf die Idee, sie mit Nagellack zu bestreichen. Das hat geklappt. Die Trägerin der Ohrringe kann den Lack selbst entfernen und immer wieder eine andere Farbe auftragen.

 

Hast du persönlich ein Lieblingsschmuckstück?
Nicht nur eins. Da ist natürlich der Ring, den mir mein Mann zur Hochzeit gemacht hat. Neben meinem eigenen Schmuck trage ich außerdem gern einen goldenen Kabelbinderarmreif einer Londoner Kollegin, und ich liebe die Plastikohrringe, die eine befreundete Schmuckdesignerin mit Gold versetzt hat. Alle Teile, die ich gerade nicht trage, liegen und hängen in meinem Schlafzimmer in einem kleinen Regal.

 

Mehr über Janines Arbeit erfährst du hier:
janinearnold.net und atelier­oelkersallee.de

 

Foto: Nele Martensen