Beginn

Beste Freunde

Hamburg, 17. Oktober 2017

 

Meine erste beste Freundin hat mich verlassen. Ja, das klingt dramatisch. War es auch. Plötzlich wartete sie morgens nicht mehr auf dem Schulweg, redete nur noch das Nötigste mit mir und verschwand praktisch aus meinem Leben. Ich verstand nicht, was los war, und habe monatelang versucht, wieder ihre Freundin zu sein. Vergeblich. Noch Jahre hatte ich dieses Ziehen in der Magengegend, wenn ich an sie dachte.

 

Heute, mit etwas Abstand, weiß ich, dass Freundschaften oft zu bestimmten Lebensabschnitten gehören. Sie können enden, ganz ohne Streit oder Schuld. Menschen entwickeln sich eben unterschiedlich, und so leben sich manche Freundschaften auseinander. Ganz friedlich. Inzwischen kann ich das einordnen. Und erinnere mich wieder gerne an diese erste beste Freundin und unsere gemeinsame Zeit damals - so wie an viele andere Freundschaften, die es jetzt nicht mehr gibt. Aus dem Skiclub, vom Schüleraustausch oder aus dem Studium.

 

Heute weiß ich auch, dass man nur drei, höchstens fünf ganz enge Freunde hat und selbst mit diesen unterschiedliche Phasen erlebt. Mal ist man sich sehr nah, mal weniger. Seit mir das be- wusst ist, kann ich viel besser damit umgehen, wenn wir gerade etwas auf Abstand sind. Und auch damit, dass meine besten Freundinnen auch andere enge Freundinnen haben. Ich genieße jeden Kontakt und bin dankbar, dass es sie für mich gibt. Ein Leben ohne sie? Kann und will ich mir nicht vorstellen. Das klingt jetzt wieder etwas dramatisch. Ist es auch: dramatisch schön.

 

Alles Liebe

                             
                       sinja@flow-magazin.de

 

Immer über Flow informiert sein? Folgt uns auf Facebook (Flow Magazin), auf Twitter (@FlowMagazin) oder besucht uns bei Instagram (Flow_Magazin).