Einfach machen

Hamburg, 17. Juli 2018
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Moment, ich mache noch eben die Betten, schreibe kurz die Mail zu Ende, räume nur schnell das Geschirr in die Spülmaschine ... Ich sage solche Sätze oft. Besonders wenn wir am Sonntag loswollen zu einem Ausflug. Oder ich im Job eigentlich Feierabend machen will. Noch eben etwas erledigen, dann kann es losgehen. Dabei ist es völlig egal, ob der Tisch abgeräumt ist, wenn wir sonntags eh unterwegs sind. Oder die Mail erst am nächsten Morgen rausgeht. Trotzdem habe ich diesen Erledigungszwang, bevor ich mein Zuhause oder das Büro verlasse. Warum das so ist? Ich sehne mich danach, fertig zu werden. Egal mit was: endlich eine komplett aufgeräumte Wohnung haben, alle To-dos im Job abgearbeitet.

 

Aber das ist natürlich absurd. Ich werde nie fertig mit Aufräumen oder dem Beantworten meiner Mails. So ist das einfach. Das liegt im Wesen der Sache. Aber ich komme durch meinen Erledigungszwang oft zu spät nach Hause und verpasse schöne Momente mit meiner Familie. Und manchmal sind wir am Wochenende gar nicht vor die Tür gekommen, weil ich - genau - noch kurz was zu tun hatte.

 

Neulich habe ich nun gelesen, dass unser Gehirn ungern etwas Neues beginnt, wenn es gerade erfolgreich am Arbeiten, also sozusagen im Trott ist. "Weiter so" ist nämlich weniger anstrengend als "Stopp, jetzt was anderes". Selbst wenn es dabei um einen vergnüglichen Ausflug oder ums Feierabendmachen geht. Darum tut das Hirn alles, um das weiterzumachen, was es gerade tut. Das gilt umso mehr, je gestresster wird sind. Seit ich das verstanden habe, fällt es mir leichter, mein Gewohnheitsgehirn häufiger mal sanft aus dem Trott zu bringen. Und siehe da, wir haben diesen Sommer herrliche Sonntagsausflüge gemacht, sind abends in ungemachte Betten gekrochen und haben wunderbar geschlafen.

 

 

Alles Liebe

 

 

 

                             
                                                                    sinja@flow-magazin.de

 

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