LESEPROBE

Freude schenken - einfach so

Hamburg, 28. November 2017
Aus den USA stammt die Idee der Random Acts of Kindness - kleineNettigkeiten, die man wie zufällig verteilt, auch an Fremde. AnnekeBots hat festgestellt, wie viel solche freundlichen Gesten bewirkenkönnen.

Foto: Stocksy

 

Wann habe ich zum letzten Mal bei meinen Nachbarn geklingelt und gefragt, ob ich ihnen vom Bäcker Brötchen mitbringen darf? Jemandem über die Straße geholfen oder ein Schwätzchen mit einem Unbekannten gehalten? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Meistens habe ich es zu eilig: Ich hetze von der Arbeit zur Schule, um meine Kinder abzuholen. Mein Alltag ist straff durchgeplant. Unterbrechungen? Gehen gar nicht! Auch zu Hause bin ich leider nicht immer die Freundlichkeit in Person. Die Arbeit setzt sich dort meist fort. Fragt mich mein Sohn zwischendurch, wie viele Nächte er noch bis zu seinem Geburtstag schlafen muss, reagiere ich von meinem Laptop aus gereizt, weil er mich aus meiner Konzentration gerissen hat. Ergebnis: miese Stimmung. Warum nehme ich mir nicht die Zeit, ihm zuzuhören? Die Mail, an der ich gesessen habe, kann doch ein paar Minuten warten. Zuwendung, Hilfe, ein Lächeln oder ein freundliches Wort - im Grunde sind das alles doch einfache Dinge, und sie nützen so viel.

 

Das bringt mich auf den Film Ein Mann namens Ove, den ich mir kürzlich angesehen habe. Ove ist ein alter Griesgram, der niemanden leiden kann. Ein unglücklicher Mensch. Zu Anfang des Films versucht er mehrmals, sich zu erhängen, aber selbst das gelingt ihm nicht, weil er andauernd von seinen neuen Nachbarn gestört wird - einer hochschwangeren Iranerin, ihrem schwedischen Mann und ihren beiden kleinen Kindern. Die Nachbarin lässt sich von dem bärbeißigen Ove nicht abschrecken und bringt mit ihrem entwaffnenden Charme frischen Wind in sein Leben. Wir lernen Oves weiche Seite kennen und erfahren, warum er so unnahbar geworden ist. Dann erleben wir mit, wie er aufblüht und seine Lebensfreude wiedergewinnt, dank der Aufmerksamkeit seiner freundlichen, humorvollen Nachbarin.

 

Nett sein ohne Erwartung
Wenn man also schon mit ein wenig aufrichtigem Interesse so viel erreichen kann, warum tun wir uns dann so schwer damit? Wir sind wohl zu sehr mit unseren eigenen Sorgen beschäftigt. Durch die Hektik im Alltag vergessen wir die Menschen um uns herum. Aber es gibt auch einen Gegentrend: Aus den USA kommt die Bewegung der Random Acts of Kindness - kurz: RAOK -, was übersetzt so viel wie zufällige Akte der Freundlichkeit heißt. Foto: Stocksy