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Kraft tanken

Hamburg, 5. Juni 2018

Ich sorge mich oft. Um das Wohl meiner Kinder zum Beispiel. Haben sie innige Freundschaften? Erleben sie genug Natur, auch wenn wir mitten in der Stadt wohnen? Lasse ich ihnen genug Ruhe oder überfordere ich sie mit all dem, was Eltern heute so wollen und anbieten? Und ich sorge mich um meine Eltern. Um ihre Gesundheit. Ob wir uns oft genug sehen. Und dass ich sie hoffentlich noch lange habe. Ich sorge mich um die Freundin, die sich getrennt hat und immer wieder unter dem gemeinen Ex leidet, und um den Freund, der nicht mehr mit seiner Freundin, aber auch nicht ohne sie leben kann. Ich sorge mich um den Frieden, die Umwelt und manchmal auch ein bisschen um die Zukunft. Nur um mich selbst mache ich mir keine Sorgen. Ist doch gut, könnte man denken. Ist es das?

 

Ich komme darauf, weil meine Tochter heute sagte, sie würde so gerne mal bewundert werden für etwas. Irgendetwas so richtig gut können. "Aber du kannst doch super schwimmen, Streit schlichten, zeichnen, weißt alles über griechische Götter, Harry Potter und Mäuse. Und du stehst jedem unterstützend zur Seite, der Hilfe braucht", erwiderte ich. Meine Tochter versteht es wirklich so gut, andere zu verstehen und sie liebevoll zu ermutigen. Nur bei ihr selbst klappt das nicht. Also sagte ich noch: "Betrachte dich doch mal, wie du eine Freundin siehst. Vielleicht kannst du so etwas nachsichtiger mit dir selbst sein und dann auch sehen, wie großartig du selbst bist."

 

Und als ich das so sagte, dachte ich, dass es mir vielleicht auch guttäte, mich mal um mich zu sorgen. Mich zu fragen, wie es mir geht, was ich brauche, was mir guttäte. Das macht meine Sorgen nicht kleiner, aber meine Kraft, mich zu kümmern, viel größer.

 

Alles Liebe

 

 

 

                             
                                                                    sinja@flow-magazin.de

 

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