Nein sagen

Hamburg, 16. Oktober 2018

 

 

 

Ich erfülle gerne Erwartungen. Die meiner Kinder, wenn ich die scheinbar allwissende und alles könnende Mutter bin. Die meiner Freundin, wenn ich einen Rat gebe, und die meiner Eltern, wenn ich mich wohl­erzogen bei ihren Freunden benehme. Ich mache das wirklich gerne und freiwillig, denn ich freue mich, wenn sich andere freuen. Wenn meine Eltern stolz auf mich sind, wenn ich meiner Freundin helfen kann oder einfach nur, wenn meine Kinder sich geborgen fühlen.

 

Aber es gibt noch viel mehr Leute, die Erwartungen an mich haben. Und ich habe zunehmend das Gefühl, dass es mich erschöpft, ihnen allen gerecht werden zu wollen. Bisher war es für mich klar, dass ich nachts einen Kuchen fürs Schulfest backe, obwohl ich völlig fertig bin. Dass ich mich halb krank auf eine Veranstaltung schleppe, weil man doch so spät nicht absagen kann. Und dass ich selbst der älteren Dame gegenüber höflich bleibe, die meine Kinder mit voller Absicht fast vom Fahrrad schubst, als sie langsam an ihr vorbeifahren.

 

Ab jetzt nehme ich das nicht mehr als gegeben hin. Ich möchte mich nicht länger danach richten, was andere von mir denken oder was man angeblich nicht tut. Wichtig ist doch, wel­che Haltung ich zu den Dingen habe, wie ich sein will. Ich möchte eine gute Mutter, Tochter, Freundin und Partnerin sein. Aber ich möchte nicht länger übermüdet Kuchen backen, mich überfordern oder immer höflich bleiben, nur weil es sich so gehört. Dafür werde ich vielleicht hier und da ein Schulterzucken ernten, vielleicht auch mal diskutieren müssen. Aber es wird sich lohnen. Denn letztendlich wird es mich entspannen. Und mehr Gelassenheit - das dürfen alle völlig zu Recht von mir erwarten.

 

Alles Liebe


 

                             
                                                                   

 

sinja@flow-magazin.de

 

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