Beginn

Schöne Unordnung

Hamburg, 18. April 2017

Mein Leben ist eine Baustelle. Wo vor Kurzem noch gekocht wurde und meine Lieblingsmenschen lachend am Tisch saßen, ist heute staubige Leere. Wo gerade noch Mädchen in der Wanne kicherten, ist eine Höhle mit blankem Mauerwerk, in die man nur durch einen Arbeitsdecken­vorhang gelangt. Wir bauen um. Es herrscht Chaos. Ich finde nichts, suche dauernd und schwanke zwischen hysterischem Lachen und Heul­krämpfen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich Unordnung derart aus der Bahn werfen würde. Warum eigentlich? Weshalb muss ich wissen, wo die Käsereibe ist, um ausgeglichen zu sein? Wieso kann ich nicht ent­spannt einschlafen, nur weil die Esszimmerstühle neben meinem Bett stehen? Und was ist so schlimm daran, dass unser Kühlschrank gerade direkt neben dem Sofa geparkt ist? In Wahrheit nichts. Es ist nur einfach ungewohnt. Anders. Nicht so, wie ich mir das eigentlich vorstelle. Das mit der Ordnung in meiner Wohnung.

 

Wenn ich ehrlich bin, mag ich Unordnung nie, auch nicht im Rest meines Lebens. Ich mag Struktur, plane gern und liebe Verlässlichkeit. Aber so ist das Leben nicht - das Leben ist eine einzige Baustelle. Warum sich also dagegen wehren? Ab heute genieße ich es, dass ich nicht vom Sofa aufstehen muss, um nach dem Joghurt zu greifen. Ich bestelle Pizza mit den Kindern, weil die Küche gerade fehlt, und freue mich, dass wir jetzt immer alle in einem Raum sitzen abends. Echt gemütlich kann das sein auf so einer Baustelle.

 

Alles Liebe

                             
                       sinja@flow-magazin.de

 

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