LESEPROBE

Was machst du gerade? Mit Sonja Presentato

Hamburg, 18.07.2017
Die Ladenbesitzerin Sonja Presentato lebt in Freiburg und betreibt mitihrem Bruder das "Sonnengereift".

 

Was machst du gerade?
Ich bin von einer Italienreise zurück gekehrt. Mein Bruder Luca und ich haben unsere Produzenten besucht, von denen wir Orangen und Olivenöl für den Laden beziehen. Das machen wir zwei­mal im Jahr, um den Kontakt zu den Kleinbauern zu pflegen und zu wissen, woher unsere Produkte kommen.

 

Welchen Bezug hast du zu Italien?
Luca und ich sind in der Nähe von Rom geboren und aufgewachsen. Als ich sechs war, zogen wir mit unseren Eltern nach Deutschland. Einmal im Jahr, wenn die Tomaten reif waren, hat sich die ganze Familie in der Toskana bei unseren Großeltern getroffen. Wir haben eine Woche lang alle gemeinsam Tomatensauce eingekocht. So viel, dass sie ein ganzes Jahr gereicht hat.

 

Führt ihr diesen Brauch weiter?
Ja, das Selbermachen hat in unserer Familie eine lange Tradition, und wir pflegen sie nun gemeinsam mit unseren Freunden in Deutschland. Im September rühren wir in riesigen Töpfen Tomaten­sauce und befüllen damit Hunderte Gläser – für den Laden und für uns. Im Februar schnippeln wir Orangen und kochen zusammen Marmelade ein. Die Rezepte stammen allesamt von unserer Großmutter aus Italien.

 

Was bedeutet Heimat für dich?
Heimat kann ich schmecken, vor allem aber riechen. In Italien sind es die Pinien wälder, in Süddeutschland ist es der Geruch von Tannenzapfen. Es klingt vielleicht komisch, aber es ist der Duft der Bäume, der mir ein Gefühl von Zu­hausesein gibt. Auch Familie ist für mich Heimat. Unser Laden ist so etwas wie ein Familienbetrieb, ich betreibe ihn ja zusammen mit meinem Bruder.

 

Ein Geschäft unter Geschwistern – seid ihr euch manchmal uneinig?
Als Kinder haben wir uns öfter gezankt. Seit Luca die Idee mit dem Laden hatte und wir beschlossen haben, ihn gemein­sam zu führen, ist unser Verhältnis har­monisch, und oft verstehen wir uns ohne Worte. Vielleicht sind wir in den vergan­genen Jahren erwachsen geworden?

 

Foto: Silke Wernet