Beginn

Zeit haben

Hamburg, 7. März 2017

Keine Zeit – wie häufig ich das sage ... oder zumindest denke. Vor allem aber fühle ich es. Permanent. Ich habe keine Zeit, Klavier zu üben, mich auf den Boden zu setzen und zu spielen, zu kochen, anzurufen. Ich bin oft zu spät, vergesse Dinge und habe andauernd ein schlechtes Gewissen, weil ich – genau: nicht genug Zeit habe für die Kinder, meinen Mann, meine Eltern, meine Freunde und für mich. Ich werde das Gefühl einfach nicht los, dass das Leben mich lebt und nicht umgekehrt. Und dann wurde neulich, als wir gerade aus der Tür gehen wollten, meiner Tochter plötzlich furchtbar übel. Wir schafften es gerade noch ins Bad. Mein perfekt durchorganisierter Tag rauschte die Toilette hinunter. Ich blieb zu Hause und las vor, kochte Tee und saß einfach nur am Bett. Plötzlich war da Zeit. Jede Menge sogar.

 

Hätte mich am Tag davor jemand gefragt, ob ich diese Woche acht Stunden finden würde, um auf einen Marathon zu trainieren, zu lesen oder eine Familienradtour zu machen, ich hätte laut lachend Nein gesagt. Aber da waren sie plötzlich, die Stunden. Sogar an einem Stück. Mir wurde klar: Ich habe Zeit, richtig viel sogar. Und ich bestimme, was in dieser Zeit, in meinem Leben passiert. Es ist nur eine Frage, wie ich die Prioritäten setze. Und das ist das Seltsame. Die Dinge, die mir eigentlich wirklich wichtig sind, fallen gern mal hinten runter. Da stimmt doch etwas nicht ... Ab jetzt werde ich mir einmal in der Woche Zeit nehmen, um die richtigen Prio­ ritäten zu setzen, im Job, mit meiner Familie und für mich allein. Dafür plane ich Zeit ein, bevor ich all das andere erledige. Das kann nämlich warten. Mein Leben nicht.

 

Alles Liebe

                             
                       sinja@flow-magazin.de

 

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